Gespräch mit Stefan bauer

Musiker mit Leib und Seele

Lieber Stefan, danke, dass Du mir ein paar Fragen beantwortest. Bitte, stell` Dich zuerst kurz selbst vor. Wer bist Du und was machst Du?

 

Ich heiße Stefan Bauer und bin Musiker und Songwriter. Ich lebe seit meiner Geburt in Schwerte und seit ich denken kann, wollte ich nie hier wegziehen. Ich bin glücklich hier und fühle mich sehr wohl. Als Musiker arbeite ich natürlich überall in Deutschland, aber in meiner Heimatstadt Schwerte bin ich am liebsten auf den Bühnen. In meinem Beruf verbinde ich viele Elemente. Ich plane und organisiere fast alle meine Bands und Projekte als Manager und darf dabei den Fokus auf die Kunst nicht verlieren. Denn ich bin zuerst Künstler. In Schwerte finde ich die nötige Ruhe und Entspannung, genau das zu leben.

 

Mich interessiert, wie Deine Songs zustande kommen? Schnappst Du irgendwo Ideen auf oder sind das wahre Stefan Bauer Emotionen?

 

Ich gehe immer mit offenen Augen durchs Leben und bin ein sehr sensibler Mensch. Unrecht, Trauer oder auch große Freude spüre ich immer mit der vollen Härte. So versuche ich diese Dinge, die um und vor allem in uns passieren zu verarbeiten. Oft sind es Geschichten, Gefühle, Momente, die jeder kennt und an denen jeder seinen Anteil findet. Aber natürlich habe ich eine eigene Biographie und vieles findet sich aus meinen Leben dort wieder. Was es letztlich ist bleibt natürlich mein Geheimnis. Manchmal berührt mich tagelang etwas und ich schreibe es einfach nieder.

 

Mein erster Liebeskummer-Song im Alter von 14 Jahren ist von ABC (The Look of Love). Noch heute kann ich meinen Teenager-Kummer spüren, wenn ich den Song im Radio höre.

Hast Du auch einen Liebeskummer-Song und ist es Dir schon mal geglückt einen solchen Song für eine andere Person zu schreiben?

 

Ich liebe immer genau die Musik, die mir ein Gefühl der Erinnerung geben kann. Das können Songs aus meiner Kindheit oder auch Songs, die mir eine unwahrscheinlich schöne Erinnerung nur an den gestrigen Tag geben können. Durch die Musik schwebe ich dann immer in der Zeit und das schafft nur Musik. 

Oft höre ich von Menschen, die mir sagen, sie würden meine Songs hören, wenn sie traurig sind oder Mut und Hoffnung brauchen. Jemanden der ihnen zeigt, dass sie nicht alleine in ihrer verirrten Gefühlswelt sind. Ganz toll ist die Geschichte, dass zwei sehr liebe Freunde meine Songs im Kreißsaal während der Geburt ihres Sohnes gehört haben, weil sie es sanft und beruhigend fanden.

 

Das ist allerdings ein schönes Kompliment an Deine Musik.

Für große Theaterproduktionen, wie DIE DREIGROSCHENOPER bei RUHR 2010 oder zuletzt

SWEENEY TODD in 2015 bietet man Dir die Hauptrollen an und Du schaffst es, dass das Publikum losgelöst von der Person Stefan Bauer in Deine Rolle eintaucht. Wie ist das Theaterspielen in Dein Leben gekommen?

 

Ich durfte bereits mit 13 Jahren am Ruhrtal-Gymnasium Schwerte als Schauspieler und Sänger im Musical JESUS CHRIST SUPERSTAR mitwirken. Mein Musiklehrer Uwe Schiemann hat mich damals angesprochen und mich während meiner Schullaufbahn entscheidend unterstützt und geprägt. Natürlich ist die Liebe und die Idee zur Musik durch mich selbst entstanden, aber mein Lehrer hat sie erkannt und mich sehr gefördert.

Auch meine anderen Freunde. Wir haben ganze Sommer lang mit unserer Band in der Schulaula geprobt und erste Konzerte dort gespielt. Meine Freunde sind zum Teil genau wie ich Profimusiker geworden. So auch Daniel Schlep, mit dem ich seit über 20 Jahren Musik mache. Unser Lehrer hat uns den Freiraum gegeben und die Möglichkeiten. Und genau das sollten Lehrer auch tun. Einmal abseits des Lehrplans die Schüler fördern und gegen den Strom schwimmen. Wir haben dort noch

THE ROCKY HORROR SHOW sowie HAIR produziert und ich durfte die Hauptrollen spielen.

So konnte ich dann später bei GREASE und DIRTY DANCING auch außerschulisch an Großproduktionen mitwirken. Dabei habe ich viele Erfahrungen für meine eigenen Produktionen gesammelt.

Wie empfindest Du die Reaktionen des Publikums Deiner unterschiedlichen Darbietungen? Also fühlt sich der Applaus eines Konzerts genauso an wie nach einer gelungenen Theateraufführung?

 

Es sind grundsätzlich andere Dinge, wenn man eigene Musik vor Menschen spielt. Musik, die man selbst in schwierigen oder auch wundervollen Lebenssituationen geschrieben hat. Man zieht sich vor diesen Menschen aus und legt sein Innerstes, seine Träume und Gedanken dar. Zumindest tue ich das so und wünsche mir, dass die Menschen das respektieren. Sie müssen es ja nicht mögen, aber sie sollen verstehen, dass es etwas anderes ist, als ein Coversong von Robbie Williams zu spielen. Das tue ich auch unheimlich gerne, aber in anderen Bands und Projekten. Und ich glaube, dass ich da auch sehr authentisch bin, denn sonst würde ich es hassen und es einfach nicht tun. Wenn mir etwas nicht passt oder ich es unehrlich finde, dann tue ich es einfach nicht. Eine ebenso ehrliche Reaktion des Publikums ist für mich sehr wünschenswert. 

Wenn bei einem Song von mir 50 von 50 Menschen klatschen oder auch lachen und weinen, dann ist mir das allerdings so unglaublich viel wert, dass ich es nicht mehr missen möchte und es ist emotional kein Vergleich zu einem Coversong. 

Beim Theater liebe ich es durch das Einnehmen einer Rolle die Menschen zu schocken oder auch zum Lachen oder Weinen zu bringen. Dann weiß ich, dass Sie die Rolle sehen und nicht Stefan Bauer.

Lieber Stefan, wie ist in Deiner Wahrnehmung die Kulturszene in Schwerte? Haben wir eine?

Und wenn ja, was gefällt Dir daran gut?

 

Ich finde, dass wir eine sehr große und vielfältige Kulturszene in Schwerte haben. Es gibt unglaublich viele und gute Künstler. Vor allem sind mir die Künstler mit Herzblut wichtig, also die Menschen, die zuerst die Kunst und das daraus entstehende Miteinander lieben. Ich persönlich wünsche mir am meisten, dass die Künstler in Schwerte noch mehr eine Hand-in-Hand Mentalität entwickeln. Wenn ich Projekte plane, wie zum Beispiel THE DARK SIDE OF THE MOON oder THE BEATLES SESSIONS und zuletzt WILD CHRISTMAS, dann steht ganz groß im Fokus, Musiker, Lichtkünstler und Techniker aus verschiedenen Bands und Szenen miteinander zu vereinen. 

So bleibt die Szene fröhlich und keiner sieht den anderen als Konkurrent. Es mag blöd und pathetisch klingen, aber gemeinsam kann man auch kulturell mehr schaffen.

 

Stefan, gerade ist die Schwerter Ruhrfee vorbei geflogen und hat Dir einen Wunsch da gelassen. Wenn Du Dir einen beliebigen Ort für ein Konzert wünschen dürftest, wo und für wen würdest Du gerne einmal spielen?

 

Ich habe schon davon geträumt, dass ich in den Ruhrwiesen stehe, mit der untergehenden Sonne im Hintergrund und ein kleines und sehr intimes Konzert vor Menschen gebe, die vor der kleinen Bühne auf Decken sitzen und das Leben genießen. Die in ihren Träumen schwelgen und sich in meinen Songs vertiefen.

Wenn ich wirklich nochmal ein Konzert für eine bestimmte Person geben dürfte, dann möchte ich gerne, dass meine Mutter dort sitzt und genau das erleben kann, was ich gerade beschrieben habe.

Eine schöne und sehr berührende  Vorstellung. Wie gut, dass die kleine Ruhrfee ein Taschentuch neben Deinen Wunsch gelegt hat, so kann ich das jetzt mal benutzen ;-) 

Stefan, abschließend möchte ich gerne erfahren, wie Du Kommunikation zwischen Dir und dem Publikum beschreibst?

 

Es ist ein sehr interessanter und doch auch schwieriger Punkt. Es gibt ja diesen bekannten "überspringenden Funken" und genau das stimmt ja auch ein wenig. Aber das muss in beide Richtungen passieren. Ich liebe es sehr, wenn ein Publikum auch mich als Künstler unterhält, wenn ich durch die Menschen etwas Schönes und Wärmendes erfahre. Denn dann bin ich eben nicht nur der Unterhaltungsmusiker oder Clown, sondern kann in Gänze mit den Menschen eine Symbiose eingehen. Sie hören mir zu und ich ihnen, wir reden auch miteinander, es gibt keine Grenze zwischen Bühne und Publikumssaal. Oft passiert das eher in ganz kleinen Locations und deshalb liebe ich diese Spielorte auch so. Ich möchte bei meiner Arbeit auch ein schönes Gefühl und nicht einfach nur abliefern. Das Publikum kann mit mir gemeinsam die Abende gestalten, das ist der  Grundgedanke von Kultur. 

 

Ich danke Dir für Deine interessanten Einblicke in Deine Arbeit, für die ehrlichen und offenen Worte. Schwerte darf gespannt sein, was wir von Dir weiterhin "zu hören kriegen" und mit Dir gemeinsam erleben dürfen. Schön, dass Du in Schwerte wohnst, lieber Stefan.

Wer sich zu Stefans Projekten näher informieren möchte, kann das auf 

www.stefanbauerprojekte.de tun.