Gespräch mit Wibke Marquardt

Ein Pony auf dem Balkon

Liebe Wibke, Du hast als kleines Mädchen von etwas ganz Besonderem geträumt...

So wie in Deinem Traum ist der Wunsch letztlich nicht in Erfüllung gegangen. Die Realität für Dich und besonders für das Lebewesen aus Deinem Traum ist jedoch noch viel schöner geworden. Kannst Du bitte von Deinem süßen Mädchentraum erzählen?

 

Ich habe als kleines Mädchen von einem schwarzen Ponyhengst auf meinem Balkon in Dortmund geträumt.

Wir haben in der Nähe der Kronenbrauerei gewohnt und in meiner Vorstellung wollte ich das Pony auf meinem Balkon unterbringen. Ich wäre mit ihm durch das Stadewäldchen geritten und es hätte dort, wie auf einer Koppel grasen können.

Aus heutiger Sicht habe ich zum Glück im Stadewäldchen nur Fahrradfahren gelernt und das Pferd kam etwas später in mein Leben.

Als ich acht Jahre alt  wurde, sind wir nach Schwerte gezogen und dort kam ich meinem kindlichen Lebensinhalt und "Dauerbrennerwunsch-Pony" auf dem Gut Böckelühr etwas näher. Reiten lernen durfte ich dann auf dem Reiterhof Brass, Gut Kückshausen. 

Aus Reiterkreisen hörte ich, dass in Dortmund ein Fohlen verschenkt werden soll und ich habe meinen Vater so lange bearbeitet, bis der dann irgendwie dieses Fohlen für mich organisiert hat.

Mit meinem ersten Haflinger Fohlen fügte sich für meine Familie und mich die Zukunft mit Pferden.

 

Heute betreibst Du mit Deiner Familie, neben Deiner Arbeit einen Reiterhof in Wandhofen. Kannst Du mir erzählen, wie aus dem "Balkon für das schwarze Hengstpony" ein Hof für mittlerweile 15 Pferde wurde?

 

Das hat sich alles mit der Zeit entwickelt. Mit meinem geschenkten Haflinger Fohlen aus Dortmund hatten wir dann zwei Vierbeiner, die auf sechs Hektar Land standen, die wir von einem Milchbauern in Wandhofen nutzen durften. Der Bauer hatte seine Milchwirtschaft aufgegeben. Zwei Mäuler für sechs Hektar Land, das geht gar nicht. So viel Gras konnten die beiden gar nicht fressen.

Während wir damit beschäftigt waren die Wiesen nacheinander einzuzäunen und ein Unterstand für die Pferde zu bauen, war klar, dass mehr Pferde kommen durften. Seitdem haben bei uns zuhause alle mit angepackt. 

Es kamen Einstellerpferde hinzu, deren Besitzer auch Pflichten für den Hof mit übernommen haben. Es kamen Ponys für den Reitunterricht dazu und so haben wir jedes Jahr erweitert, verändert, ergänzt und verbessert. Und viel gearbeitet. Vor allem körperlich viel gearbeitet. Ställe und Heu machen, Zäune ziehen und so weiter und so weiter. Da fällt man am Abend kaputt und müde ins Bett. 

 

In meinen Ohren klingt das, neben der anstrengenden Arbeit, sehr romantisch und ich glaube, viele Mädchen träumen vom eigenen Ponyhof und von wilden Abenteuern mit Pferden, wie in den 80er Jahren in der Sendung "Immenhof".

 

Wir hatten eine wunderschöne Kindheit mit dem Hof. Meine Schwestern haben oft Indianer gespielt und saßen bereits mit drei Jahren auf den Pferden. Wir haben täglich Ausritte in die wunderschöne Umgebung bis nach Dortmund, Iserlohn und in die Wälder rund um Schwerte gemacht. Auf der Pirsch mit Papa und Pferden.

Selbst mein Vater fing dann zu reiten an. Und "Fürst", ein ehemaliges Rennpferd wurde sein Kumpel. Zusammen haben wir viele tolle Sachen erlebt. Das war eine sehr aktive Zeit.

 

Tatsächlich tolle Kindheitserinnerungen, liebe Wibke, schön dass Du auf einen solchen Schatz zurückblicken kannst.  

Die Arbeit auf dem Hof ist sicher nur einer Deiner Jobs, die Du täglich bewältigst, richtig?

 

Ja richtig, meine Hauptaufgabe ist meine Tochter Käthe. Ich bin allein erziehend  und bis auf wenige Ausnahmen, wenn meine Tochter bei der Oma ist, organisiere ich unseren Alltag allein. Das ist meine schönste und wichtigste Aufgabe!

 

Dazu habe ich einen Halbtagsjob bis Mittags als Graphikerin in Schwerte. In meiner Freizeit, am Nachmittag sind wir auf dem Hof und ich gebe Reitunterricht und arbeite alles ab, was anfällt.

Am Abend kümmere ich mich um meine Aufträge, die ich als Selbstständige für mein Unternehmen ein.raum.design annehme und manchmal muss ich dann irgendwie noch Zeit finden für meine ehrenamtlichen Tätigkeiten bei Wir-Unternehmerinnen Schwerte und für meine Aufgabe als 1. Vorsitzende des Vorstands VFD (Vereinigung der deutschen Reiter und Fahrer e.V.-MK) und für meine Aufgabe als Reitwegebeauftragte des Regierungsbezirks Arnsberg.

 

Respekt. Wann ist denn bei all` diesen Aufgaben mal nur Wibke-Zeit?

 

Ja, da muss ich mal überlegen. Wibke-Zeit ist... ?

Wenn meine Tochter mal ein Wochenende bei der Oma ist und ich ganz selten die Zeit für ein Seminarbesuch finde.

Zum Beispiel war ich vor kurzem bei einem Seminar zum Thema schamanisches Heilwesen, wo man sich mit seinen eigenen Urkräften auf unterschiedlichen Ebenen befasst. Das tut mir gut.

Und einmal die Woche gehe ich abends in die VHS zum Singen. Dann kommt für zwei Stunden die Nachbarstochter zum Babysitten.

 

Jetzt werden wir spontan! Wibke, ich nenne Dir fünf Begriffe und Du antwortest bitte spontan aus dem Bauch heraus, welche Rollen die Begriffe in Deinem Leben haben, einverstanden? Los geht`s!

 

Design!

... ist eine technische Dienstleistung, die mit viel Herzblut gelebt wird. Für Design muss man kreativ sein und Kreativität benötigt Zeit und Raum und Muße.

Könnte ich aktuell von allem ein Pfund mehr gebrauchen.

 

Vierbeiner!

Wibke streichelt Ihre schnurrende, blinde Katze Lilly und antwortet.

Ein Leben ohne Tiere ist nichts für mich – ich empfinde das Miteinander mit Tieren als sehr bereichernd.

 

Mutter!

Mutter sein habe ich mir so nicht vorgestellt

Wibke lacht herzhaft und strahlt mich dabei an.

Als Mutter lernt man seine eigenen Grenzen kennen. Grenzen, wo man nie welche vermutet hätte. Intensive Gefühle und Zufriedenheit, dass das Kind wächst und seinen eignen individuellen Weg geht.

 

HipHop!

Ich mag deutschsprachige Musik. HipHop ist tanzbar, hat Power, macht Spaß, ist lebendig. Es gibt Rhythmus und Takt. Wie beim Reiten. Da schließt sich mein Kreis.

 

Rente!

Ach du je... hör` bloß auf. Wird nicht einfach, macht mir aber keine Angst. Ich bin vielseitig, kann viel, brauche wenig und kann mich gut organisieren. So wird es irgendwie funktionieren. Wichtig ist, man bleibt gesund und kann lange schaffen.

 

Danke, dass war die Sponti-Runde.

Wibke, welchen Platz liebst Du in Schwerte am meisten? 

 

Ich liebe die Ruhr und die Wälder rund um Schwerte mit den Geschichten, die ich dort erlebt habe.

Ich mag sehr den letzten Tisch am Ende der Theke in der Rohrmeisterei und ich liebe den Platz an meinem Küchentisch, auf dem du heute sitzt, mit dem Blick über die Dächer von Schwerte auf den Ebberg.

 

Vielen Dank, dass ich auf Deinem Lieblingsplatz sitzen darf und ich kann bestätigen, Dein Ausblick ist fantastisch.

Wenn ich Richtung Ebberg schaue, dann ist das gleichzeitig die Blickrichtung auf Deinen Hof.

Mein persönlicher Respekt mit leichter Tendenz zur Angst vor Pferden, hat sich in meiner Kindheit von meinen Eltern auf mich übertragen. Gäbe es trotzdem eine Chance mir diese Angst zu nehmen und reiten zu lernen? 

Wie würdest Du mir beibringen mit einem Pferd zu kommunizieren und umzugehen?

 

Der Umgang mit Pferden ist ein langer Prozess. Meinen Schülern erkläre ich zunächst das sehr umfangreiche Equipment, welches man zum Arbeiten mit dem Pferd benötigt. Das ist nicht nur Reiten, sondern beinhaltet auch das Arbeiten vom Boden aus. Hier lernt man viel vom Wesen Pferd, aber auch über sich selbst.

Dann vermittle ich intensiv, wie man sich "von unten" mit einem Pferd verhält.

Das heißt, es geht um die Sicherheit für den Reiter und das Pferd. Wir klären, wo man zum Beispiel einen Putzkasten neben das Pferd stellt, ohne, dass es gefährlich wird. Es muss geübt werden, wie ein Pferd zu führen ist, sonst komme ich schon bevor es ans Reiten geht gar nicht vom Stall zum Reitplatz. Bei diesen Dingen geht es um Routine und Vertrauen. Je sicherer der Schüler im Umgang mit dem Pferd wird, desto eher akzeptiert das Pferd als Herdentier die Führung des Menschen, wenn er später in seinem Sattel sitzt. Faustregel ist, wenn es

"von unten" mit dem Pferd sicher klappt, kann man beginnen sich obendrauf zu setzen.

Darüber werde ich nachdenken und Dich sicher mit meinen Töchtern auf dem Hof besuchen. Herzlichen Dank für die persönlichen Einblicke in Dein Leben und schön, dass Du in Schwerte wohnst.

Wer sich über Wibkes  Arbeit informieren möchte, kann das auf www.einraumdesign.de tun.