Gespräch mit Sara Buschulte

Mit Sara`s Wohnzimmer auf dem Balkon

Liebe Sara, viele Menschen in Schwerte und über Schwerte hinaus kennen deine Band und dich unter dem Bandnamen "Sara`s Wohnzimmer". Ich freue mich, dass ich heute Abend mit Saras Wohnzimmer auf Saras Balkon bei sommerlichen Temperaturen mit einem Glas Schorle sitzen darf.

Vor deinen Ferien am Mittelmeer hast du und deine Band ja etwas sehr Lustiges und heutzutage eher Ungewöhnliches getan. Magst du bitte davon erzählen?

Gerne. Zunächst herzlich willkommen auf meinem Balkon. Gut, dass die Leser nicht sehen können, dass hinter mir noch unser Weihnachtsbaum steht. Meine Tochter hat sich gewünscht, dass wir den wieder einpflanzen. Aber das wird wohl nichts mehr ;-)


So, jetzt aber zu unserer ersten kleinen Sara´s Wohnzimmer Tour. Ursprünglich war geplant, dass wir unsere Freunde besuchen, die so ziemlich überall verteilt in Deutschland leben, und in der jeweiligen Stadt ein Konzert geben. Aber es stellte sich schnell heraus, dass dieser Plan nicht funktioniert, weil natürlich in den Sommerferien alle unterwegs sind und der Planungsaufwand einfach zu groß gewesen wäre.

Wir haben dann spontan entschieden, einfach los zu fahren und Familienurlaub und Tour zu verbinden und dort Konzerte zu geben, wo es sich ergibt. Wir bekamen die Empfehlung, an der Mosel entlang zu fahren, weil es dort viele kleine, nette Orte nah beieinander gibt und haben dann einfach unsere Kinder eingepackt und sind mit Wohnmobil, Auto und Zelt losgefahren.

Daraus wurde ein kleines, aber feines Abenteuer mit einigen Hindernissen.

 

Toll, dass ihr euer Vorhaben nicht abgeblasen habt.

Erzähl doch bitte weiter, wie eure Tour letztlich geworden ist und welche Hindernisse ihr meistern musstet.

 

Ich versuche es mal mit der Kurzform. Angefangen hat alles damit, dass das Wohnmobil nicht angesprungen ist und da sollten Urs (mein Gitarrist und Bassist) und seine Familie drin schlafen und da war natürlich auch die Küche und das Klo drin. Ohne Wohnmobil wäre es einfach nicht gegangen. Die Reparatur hat acht Stunden gedauert und als wir dann endlich abends bei Koblenz angekommen sind, stellte sich heraus, dass Urs sein Portemonnaie vergessen hatte, das Zelt kaputt war und wir den Kochtopf zu Hause stehen lassen hatten... die Kinder waren ziemlich durch und wir waren alle innerhalb kürzester Zeit von Mücken zerstochen... also ein perfekter Start. Aber zum Glück konnten wir darüber lachen. Und dann wurde es auch noch richtig schön.

 

Wir hatten extra einige unserer Lieder in akustische Gitarren-Versionen um arrangiert, damit wir mit möglichst wenigen Instrumenten und vor allem ohne Klavier und ohne Strom auftreten konnten. Wir haben in sehr schönen Städtchen Straßenmusik gemacht, haben in Restaurants spontane Konzerte für die Gäste gegeben und dafür ein warmes Abendessen erhalten. Wir sind in den Weinbergen auf einem wunderschönen Weingut gelandet und haben für Kost und Logis und die frischen Brötchen am Morgen danach musiziert. Das Highlight war dann unser Abschlusskonzert auf einem Moseldampfer, wo wir den Kapitän kurz vorm Ablegen des Schiffes überzeugen konnten, dass wir auf seiner Bootstour schöne Musik können, wenn er uns dafür umsonst mitfahren lässt :-)

Alles in allem war es schon manchmal ganz schön anstrengend alles unter einen Hut zu bekommen, bei so vielen Leuten und mit dem Ziel immer Konzerte zu spielen, aber es war auch wundervoll und großartig und wir haben viele schöne Bilder und gute Erfahrungen im Kopf.

 

 

Und diese Bilder und guten Erfahrungen bleiben in Eurer Erinnerung – alles richtig gemacht! 

Sara, wie bist du auf den Bandnamen Sara`s Wohnzimmer gekommen? War das dein Lieblingsort?

 

Natürlich ist mein Wohnzimmer mein Lieblingsort! Der Name ist entstanden, weil eigentlich alles immer im Wohnzimmer stattgefunden hat, die ersten Lieder sind dort entstanden, die Proben finden dort statt, die Aufnahmen für die CD und manchmal sogar auch Konzerte. Außerdem ist unsere Musik ja auch für ruhige und gemütliche Orte gedacht. Ein Ort, an dem man sich gegenseitig zuhört – das Wohnzimmer.

 

 

Und wie hast du deine Liebe zur Musik entdeckt oder hat die Musik dich entdeckt?

 

Ich habe die Musik durch meinen Vater entdeckt, der früher Klavier gespielt hat. Und ich erinnere mich, dass es mir auf eine bestimmte Weise im Herzen weh getan hat, wenn er gespielt hat. Musik hat mich immer tief berührt und war auch immer ein Begleiter für mich, aber es war nicht leicht für mich herauszufinden, was genau meine große Liebe ist, oder was ich wirklich will. Das weiß ich manchmal heute noch nicht ;-)

Ich komme aus einer Künstlerfamilie und habe dadurch früher auch viel Kunst um mich gehabt. Als Kind wollte ich allerdings immer Schriftstellerin werden und habe schon sehr früh Bilderbücher gemalt, in die meine Eltern dann die Handlung reinschreiben mussten.

Klavier spielen habe ich mit 7 Jahren begonnen, mit 14 Jahren kam ich zum Gesang. Ich hatte damals eine kleine Mädelsband und auch schon erste Auftritte und Aufnahmen. Wir haben auch damals schon unsere eigene Musik gemacht, so mit „rettet die Welt“ und „helft den armen Menschen“ Songs.

In der Waldorfschule habe ich dann die Hauptrolle Sheila im „Musical Hair“ gespielt und gesungen und das Thema meiner Abschlussarbeit war Freie Komposition. Dafür habe ich mit einer Freundin zusammen ziemlich schwermütige Musik für Klavier, Gesang und Geige geschrieben.

Ich hatte dann tatsächlich auch eine Progressive Metal Phase und habe in einem gemeinsamen Projekt mit meinem Mann Marco eigene Musik geschrieben. Im Studium war dann wieder eher Klassik angesagt, ich habe viel Gesangs- und Instrumetalbegleitung gemacht und reine Klaviermusik komponiert. Gesangsmäßig ging es dann später in Richtung Pop und Jazz und aus all diesen Einflüssen ist die Musik von Sara´s Wohnzimmer entstanden.


 

Viele junge Leute stehen nach der Schule vor der Herausforderung, welchen Berufsweg sie einschlagen sollen. Ich erinnere mich an meine Zeit und ich hatte kein klares Ziel vor Augen von dem, was ich machen wollte. In deinem Fall lag das denke ich eher daran, dass du so viele Interessen und Talente hattest? Wie hast du dich damals entschieden?

 

Nach der Schule habe ich erstmal ein Jahr Pause gemacht, gekellnert und ein Buch geschrieben. Dabei habe ich gemerkt, dass man als Schriftstellerin doch sehr viel Zeit alleine am Schreibtisch und am Computer verbringt und das gefiel mir nicht besonders gut. Zudem bekam ich keinen Studienplatz für Kreatives Schreiben und damals habe ich mich nicht getraut mich für ein Kunst- oder Musikstudium zu bewerben, zumal ich mich nicht entscheiden konnte.

 

Ein ganz anderer Wunsch, den ich noch hatte, aber eigentlich für später aufheben wollte, war es, Hebamme zu werden und das habe ich dann erstmal versucht. 

 

Das ist in meinen Augen auch eine besondere Kunst!

 

Genau, das war es für mich auch. Vor allem erschien es mir als das Sinnvollste, was man auf dieser Welt tun kann. Geburt begleiten, Leben beginnen lassen und der Anfang von Allem. Diese Gedanken hatte ich, als ich zu der Zeit eine gute Freundin bei der Geburt ihres Kindes begleitete. Das war eine sehr schöne Erfahrung, aber während eines Praktikums bei einer freiberuflichen Hebamme hatte ich plötzlich das Gefühl, meine Zeit nicht richtig zu nutzen. Und ab da war mir klar, dass ich künstlerisch arbeiten will bzw. muss, egal ob mit Musik, Kunst oder Schreiben. Zum Glück fand ich den Studiengang Kunst & Musik an der Uni Bielefeld, wo ich dann in Kombination mit Germanistik alle drei Bereiche abdecken konnte.

Im Studium habe ich dann auch nochmal ganz anders die Kunst entdeckt und zu verschiedensten Themen Rauminstallationen gemacht.

Ich habe von dir ganz tolle Rauminstallationen gesehen, die auch einen praktischen Nutzen haben. Es handelt sich dabei um Fahrradspeichen, die du mit bunten Stoffen aus Afrika bezogen hast. Sie hängen in einer Formation von der Decke und schlucken somit im Nebeneffekt Geräusche. Vor allem aber sind sie ein toller Blickfang und sehen super aus. Gab es eigentlich schon Ausstellungen zu deiner Arbeit? 

 

Ja. Ich habe nach dem Studium einige kleinere Ausstellungen gehabt und eine große Einzelausstellung im Torhaus Rombergpark in Dortmund, wo ich meine Rauminstallationen gezeigt habe. Das war sehr viel Arbeit und hat sehr viel Geld gekostet und danach war ich leider pleite. Da man meine Arbeiten nur schlecht verkaufen kann, musste ich leider erstmal aufhören. Ich wollte keine Kunst für´s Wohnzimmer machen ;-)

Die Erfahrung mit dem Ausstellen und die Verwirklichung von eigenen künstlerischen Ideen war es aber wert und ich bin froh, dass ich das alles gemacht habe.

 

Sara, wie bist du nach Schwerte gekommen und woher kam die Idee mit dem Bauwagen? 

Nach Schwerte sind wir gekommen, weil unsere Wohnung zu klein wurde, als unsere Tochter anfing Platz in Anspruch zu nehmen. Zudem hat mein Mann Marco angefangen an der Musikschule Tonart zu arbeiten und wir haben uns in den Waldorf Kindergarten hier in Schwerte verliebt. 

 

Das mit dem Bauwagen kam daher, dass ich schon als Kind einen Wohnwagen im Garten meines Vaters stehen hatte, der mir lange als Zimmer diente und ich habe ihn sehr geliebt. Deshalb wollte ich, als ich mit dem Studium fertig war, auf einen Bauwagenplatz in Bielefeld ziehen. Das war schon alles geplant und ich hätte einen Traum von einem Bauwagen haben können, mit angebauter Veranda und kleinem Wintergarten. Aber dann bin ich nach Afrika geflogen und danach war mal wieder alles anders :-)

 

Mein Mann Marco war damals auch gerade fertig mit dem Studium und er wollte nicht nach Bielefeld kommen und da wir gerne zusammenziehen wollten, habe ich gesagt, dass ich zurück nach Dortmund komme, wenn er mir verspricht, dass er mir irgendwann einen Bauwagen in den Garten baut. Und das hat er dann auch getan, der Liebe! 

 

Ich möchte noch einmal kurz auf deinen Wunsch Hebamme zu werden zurückkommen. Denn ich glaube, dass diese Tätigkeit auch sehr gut zu dir passen könnte. An dieser Stelle muss ich erklären, dass wir uns schon lange kennen und gut befreundet sind. Wir beide haben gemeinsam mit weiteren lieben Freunden unsere gemeinsame Freundin in den Tod begleitet.

Dabei habe ich dich als emotional sehr gefestigt und stark erlebt. Du hast es geschafft bis zum Ende zu tragen, zu begleiten und zu stützen.   

So sind dir in meiner Wahrnehmung besonders menschliche Talente mitgegeben.

 

Liebe Sara, ich danke dir herzlich dafür, dass du bei Schwerte-spricht mitmachst und das du dich sehr persönlich gezeigt hast. 

Schön, dass du dich nicht dazu entschieden hast Hebamme zu werden, sonst hätten wir eventuell auf gute Musik von Sara`s Wohnzimmer verzichten müssen



Wer mehr über Sara und ihre Band erfahren möchte: www.sarabu.de