Gespräch mit Maren & Matthias Matthieu

Familie "M" & die Sendung mit der Maus

 

Maren und Matthias Matthieu. Allein der Klang eurer Namen lässt vermuten, dass ihr gut zueinander passt?!

Woher kommt der schöne Name Matthieu? Matthias, gibt es in eurem Stammbaum eine Verbindung nach Frankreich?

 

Ja, es gibt eine geschichtliche Verbindung zu den Hugenotten, die aus religiösen Gründen im 17. Jahrhundert aus Frankreich nach Deutschland ausgewandert sind. Eine persönliche Verbindung oder Neigung zum Buchstaben „M“ hat sich in den letzten 46 Jahren meines Lebens geprägt. Ich habe häufig gehört: “Matthias, du bist ein MM.“

Meine Frau Maren habe ich mir allerdings keinesfalls wegen ihres Vornamens ausgesucht.

 

Maren, da bis du aber sicher froh oder?

 

Ich bin beruhigt das zu hören…lacht. Wobei wir bei unseren Kindern mit Moritz und Mats diese „M“- Tradition intuitiv fortgesetzt haben. Natürlich gefielen uns die Namen auch einfach gut.

Einen Mädchennamen mit „M“ haben wir übrigens immer im Kopf, für den Fall der Fälle.

An dieser Stelle wollen wir auch nicht verheimlichen, dass die Namen unserer Haustiere alle bis auf eins mit „M“ beginnen. Merlin, Manni,…

 

OK, von Zufall kann keine Rede sein. Welche Haustiere wohnen bei euch?

 

Wir haben zwei Katzen, einige Schildkröten und eine Schlange. Die Schlange ist unser Goliath. Da haben wir auf einen Namen mit „M“ verzichtet.

 

Matthias, wenn ich morgens an der Ruhr entlang jogge, dann sehe ich dich manchmal mit der Angel und  Wathose im Fluss stehen und angeln. Was gefällt dir am Angeln besonders und wie bist du dazu gekommen?

 

Ich bin 2010 Vater geworden und gleichzeitig durch einen Freund zum Angelsport gekommen. Er und ich haben oft davon gesprochen, dass wir, wenn wir schon an der Ruhr wohnen, auch mal ein paar Fische aus dem Fluss ziehen könnten und so haben wir kurzentschlossen beim Schwerter Angelverein einen Kurs zur Fischereiprüfung absolviert.

Vielleicht kam das Hobby aber auch zu mir, um einen Ausgleich zum Ruhe tanken zu finden. 

 

Das heißt, du genießt das Angeln an der Ruhr, um deine Akkus aufzuladen oder um deine Kühltruhe aufzufüllen?

 

Gerne beides! Aber in erster Linie genieße ich es, den Fluss zu durchlaufen, die Natur zu spüren, wenn im Sommer früh morgens die Sonne gerade aufgeht. Außer Vogelgezwitscher und dem Rauschen der Ruhr höre ich nichts. Da bin ich eins mit Wasser und Fisch und entspanne vom Arbeitsalltag und von „Familiengeräuschen“.

Wenn dann noch eine Bachforelle oder ein Barsch anbeißt, beginnt der Tag perfekt.  

 

  

Entspannung von „Familiengeräuschen“ brauchen sicher viele Väter und Mütter.

Matthias stell dir bitte vor, du bist heute der „Christoph Biemann“, einer der Darsteller und Moderatoren aus der Sendung mit der Maus. Vielleicht kannst du deinen spannenden Job mal so erklären, dass auch kleine Kinder es verstehen würden.

 

Ich kann es versuchen.

Ich bin der Matthias und ich arbeite bei einer sehr bekannten und großen Ingenieurfirma in Dortmund. Die Firma heißt thyssenkrupp Industrial Solutions, Process Technologies. Das ist ein Name mit einem englischen Titel, damit alle Menschen auf der ganzen Welt verstehen können, was die große Firma macht.

Die Firma bietet verfahrenstechnische Industrielösungen auf der ganzen Welt an.

Heute erkläre ich, was Industrielösungen zum Beispiel sein können.

Im Moment fliege ich zum Beispiel mit einem kleinen Team mit dem Flugzeug bis nach Amerika und verkaufe dort eine Düngemittelgroßanlage an einen amerikanischen Kunden. In dieser Großanlage, die ca. 20 mal so groß ist, wie ein Fußballfeld, werden später verschiedene Düngemittel für die Felder hergestellt. Diese Düngemittel verkauft der Kunde an die Bauern welche sie benötigen, damit ihr Getreide auf den Feldern gut wächst.

Und da ich mir diese Düngemittelgroßanlage nicht einfach so in die Tasche stecken kann und sie dem Kunden zeigen kann, erkläre ich ihm alles ganz genau.

Zuerst sage ich ihm, wie viel Platz er benötigt, damit thyssenkrupp die Großanlage in Amerika für ihn bauen kann. Dann erkläre ich ihm, was genau alles gebaut wird und wie all die Maschinen und Apparate nachher funktionieren, wenn sie fertiggestellt sind.

 

Ich erkläre ihm noch, wie viel Dünger die Anlage produzieren kann. Der Kunde kann zum Beispiel so viel flüssigen Dünger mit unserer tollen Großanlage herstellen, dass er damit täglich etwa 3,5 Millionen Milchpackungen (oder 7 Millionen Bierflaschen) füllen könnte. Damit können die Bauern in einem Radius von ca. 600 km die Felder düngen. 600 km ist ungefähr die Strecke von Schwerte bis nach München. Das müsst ihr euch nicht merken. Wichtiger ist für euch zu wissen, wie weit es von Schwerte bis nach Dortmund in das BVB Stadion ist.

Zum Schluss erkläre ich dem Kunden noch was er meiner Firma für die Düngemittelanlage bezahlen muss. Wenn der Kunde das alles ganz toll findet und er genug Bauern gefunden hat, die ihm den Dünger später abkaufen wollen, dann bestellt er die Düngemittelgroßanlage von thyssenkrupp. 

 

Dann muss meine Firma einen Vertrag mit ihm machen. Dieser Vertrag hat 5000 Seiten. In dem Vertrag stehen alle wichtigen Dinge, die der Kunde und thyssenkrupp wissen und beachten müssen damit nach gut 4 Jahren Bauzeit und Inbetriebnahme alle glücklich und zufrieden sind.

Alle 5000 Seiten werden von mir und dem Kunden unterschrieben. Alleine das Unterschreiben dauert für mich eine ganze Arbeitswoche. Weil der Kunde einen Vertrag haben will und mein Chef von thyssenkrupp auch, fliege ich mit 10.000 Seiten Vertrag nach Amerika und komme mit unseren 5000 Seiten unterschriebenen Vertrag zurück.

Die Kiste mit dem Vertrag ist sehr schwer und es hat über drei Jahre gedauert bis wir mit dem Kunden dieses Ziel erreicht haben. 

 

Zudem fliege ich auf der ganzen Welt herum und verkaufe  andere verfahrenstechnische Industrielösungen, zum Beispiel für Sprengstoffanlagen, damit die Menschen in den Ländern Kohle, Erze oder andere Bodenschätze abbauen können. Aber das erkläre ich euch dann in der nächsten Sendung mit der Maus. Euer Matthias.

 

Matthias, vielen Dank. Wenn dein Job bei thyssenkrupp mal nichts mehr für dich ist, dann hast du großes Talent, um bei der Maus beim WDR zu arbeiten. Ich kann jetzt gut verstehen, dass du bis zum Bauchnabel in der Ruhr stehen möchtest, um abzuschalten.

 

Maren, wie ist es für dich und die Kinder, wenn du in der Zeit als Alleinerziehende zuhause das Ruder in der Hand hältst? 

 

Für unsere Kinder ist das mittlerweile ganz normal. Wenn Matthias im Ausland ist, rechnen wir in „wie oft müssen wir schlafen, bis Papa wieder da ist“. Ungefähr einen Tag dauert es, bis die neue Rollenverteilung zuhause akzeptiert wird. Ich spreche mit den Jungs, dass wir alle an einem Strang ziehen und sie mir „helfen“ dürfen und dann klappt das gut. Er ist ja auch immer nur wenige Tage unterwegs.

Was mir nicht gefällt ist, wenn Matthias in Krisengebieten unterwegs ist. Manchmal dauert es mir zu lang, bis ich eine Nachricht von ihm erhalte, dass er gut angekommen ist. In einigen Ländern dieser Erde ist eben die Erreichbarkeit nicht so, wie wir es gewohnt sind.

Wenn ich selbst besorgt bin, kann ich dieses Gefühl auch nicht immer vor den Kindern verbergen. Dafür haben sie zu gute Antennen.

 

Für mich persönlich heißt es, dass ich mir meine Arbeitsstruktur für die Zeit zurechtlege und eben alles alleine mache. Kinder fertigmachen, in den Kindergarten bringen, mein Job und danach die Kinder wieder abholen, Essen, Haushalt,…und keine Freizeitgestaltung außer Haus für mich als Mama.

Sport und manches andere fällt in dieser Zeit aus und Freunde treffen, findet dann eben abends ausschließlich bei mir statt. Allerdings wohnt mein Schwager mit seiner Freundin direkt nebenan, so dass ich dort jeder Zeit um Hilfe bitten kann.

Dafür habe ich, wenn die Kinder schlafen und die Haustiere versorgt wurden, absolute Maren-Zeit. Das ist schön. 

 

 

Das kann ich gut verstehen.

Maren du vereist auch manchmal alleine? Wohin zieht es dich, wenn du unterwegs bist?

 

Am liebsten besuche ich meinen Bruder, er lebt in Stockholm.

Mein Kontakt zu ihm ist enger geworden, seitdem unsere Kinder auf der Welt sind. Er ist der Patenonkel. Aber nicht nur deswegen verstehen wir uns gut, sondern weil mit Kindern der Fokus allgemein wieder mehr in Richtung Familie und Familienbande geht. Zumindest ist das mein Eindruck bei uns.

Bei meinem letzten Aufenthalt, hat mein Bruder mich sehr verwöhnt und hat mich einfach an seinem Leben in Stockholm teilhaben lassen. Wir sind gemeinsam zu seinen Partys gegangen und die Schweden sind herrlich offen und gastfreundlich. Ich habe mich sofort wohlgefühlt.

Als in seinem Umfeld klar war, dass ich die deutsche Schwester bin, hat jeder gleich mit mir oder in meiner Anwesenheit englisch gesprochen, um mich zu integrieren. Davon wünsche ich mir hier zuhause auch ein wenig mehr. Mehr an Offenheit und Gastfreundschaft.

 

 

In diesem Sinne, liebe Familie Matthieu, herzlichen Dank, dass ihr uns einen Einblick in euer Leben geschenkt habt und schön, dass ihr in Schwerte wohnt.