Gespräch mit Nicole Schelter

Eine Frau mit Rückgrat & jede Menge "PS"

Liebe Frau Schelter, ich freu mich über Ihre Teilnahme bei Schwerte-spricht. Was hat Sie dazu veranlasst bei diesem Projekt mitzumachen und worüber möchten Sie gerne sprechen?

 

Ich bin sehr motiviert das Thema „Alleinerziehende und ihre Herausforderungen“ der Öffentlichkeit näher zu bringen. Mir liegt daran, das klassische Bild der Alleinerziehenden in unserer Gesellschaft zu verändern.

 

Wie ist in ihrer Wahrnehmung das klassische Bild von Alleinerziehenden?

 

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Mittlerweile ist meine Tochter groß, aber ich habe sie allein erzogen und dabei durch meinen Exmann keinerlei Unterstützung erfahren. Auch innerhalb meiner Familie musste ich mit wenig Hilfe alleine klar kommen.

In meiner Wahrnehmung ist das klassische Bild von Alleinerziehenden in unserer Gesellschaft von Mitleid und Armut geprägt. Alleinerziehende arbeiten -wenn überhaupt- nur wenige Stunden und haben wenig finanzielle Mittel. Außerdem können sie nur selten am sozialen Leben teilnehmen, da sie mit der Betreuung ihrer Kinder beschäftigt sind.

 

Frau Schelter, was haben Sie anders gemacht und wie möchten Sie das Bild verändern? Wie wünschen Sie sich, dass Alleinerziehende gesehen werden?

 

Die „Schublade“ Alleinerziehende tut mir und anderen Frauen nicht gut. Ich will zeigen, dass man das Bild aktiv verändern kann und muss, um nicht einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu unterliegen. Wenn ich mitleidig beäugt werde, fühle ich mich irgendwann bemitleidenswert und bin selbst überzeugt, dass ich mit den Rahmenbedingungen nichts schaffen werde.

Das möchte ich aktiv vermeiden.

Ich habe mich um Arbeit gekümmert und hatte mit einer Dozententätigkeit an der VHS in Schwerte großes Glück. Glück, weil mir die VHS als Alleinerziehende die Chance gegeben hat, zu schulfreundlichen Zeiten meiner Tochter zu arbeiten. So gelang es mir weiter zu arbeiten und nicht in den Sozialsystemen zu landen. Mir war und ist wichtig, das Alleinerziehende ihre Chance bekommen zu zeigen, dass sie etwas leisten wollen und können. Dass sie sehr motiviert und engagiert arbeiten und einem Unternehmen, dass ihnen diese Chance gibt, sehr große Loyalität entgegen bringen.

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie als Frau und Mutter sehr gerne Ihre Ideen und Ihr Herzblut in eine Arbeit stecken, die zusätzlich zur Mutterrolle eine besondere Abwechslung und Bereicherung bedeutet?

Für mich persönlich ist das Thema „Arbeitsglück“ sehr wichtig. Das Bedürfnis nach  Zufriedenheit in der eigenen Arbeitswelt ist von der Arbeitsstundenzahl doch unabhängig.

 

So ist es. Gerade Menschen, für die die Arbeitszeit auch Qualitätszeit bedeutet, in der zusätzlich zum Muttersein weitere Fähigkeiten gefragt sind, sind wertvoll für Unternehmen. Alleinerziehende müssen große Organisationstalente sein und sind dies auch. Und wenn Alleinerziehende freiwillig arbeiten gehen, müssen sie angesichts der damit verbundenen zusätzlichen Belastungen wohl sehr viel Freude an ihrer Arbeit haben. Ich hatte und habe sie jedenfalls.

 

Was tun Sie, liebe Frau Schelter, um das Bild in der Öffentlichkeit zu verändern?

 

Ich bin in vielen Netzwerken für Frauen, nicht nur in Schwerte aktiv. Dazu zählen die WIR:Unternehmerinnen, die AG Schwerter Frauengruppe, Unternehmen.Starkes.Schwerte US2 und  das DFFW, Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft.

Zudem baue ich ein Netzwerk für Alleinerziehende auf und engagiere mich in der Pink MINT AG am Ruhrtalgymnasium, um Mädchen die MINT-Berufe näher zu bringen. Ebenso für FRAUEN Unternehmen, wo ich eine Vorbildfunktion bekleide, um  Mädchen und Frauen zu ermutigen sich selbstständig zu machen.   

Die aktive Arbeit in Netzwerken und in der Gemeinschaft bereichert mich. Man kämpft nicht allein für ein Thema und hat somit Austauschmöglichkeit und Hilfestellung, falls gewünscht. Für mich ist es selbstverständlich meine Erfahrungswerte weiter zu geben. Ich gebe und ich bekomme auch zurück. Das ist ein gutes Gefühl. Ein Gemeinschaftsgefühl.

 

In Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich auf Ihrer Website gelesen, dass Sie als ehrenamtliche Schiedsfrau in Schwerte - Westhofen und Schwerte - Wandhofen tätig sind. Wie darf ich mir diese Tätigkeit vorstellen, beziehungsweise, für welche Themen und Konflikte werden Sie gerufen?

 

Schiedsfrauen und Schiedsmänner werden vom Rat der Stadt gewählt. Unsere Tätigkeit wird eigentlich zu selten genutzt. Ich werde ungefähr 5 bis 6 mal im Jahr als Schiedsfrau gerufen. Die Mehrzahl der Schwerter Anwälte befürworten das Schiedsamt. Manche versuchen es wiederum zu umgehen, denn wenn ein Streit beigelegt werden kann, verdient der Anwalt weniger Geld.

 

Die Themen der Konflikte sind meistens Nachbarschaftsstreitigkeiten. Die Äste von Bäumen ragen auf das Nachbargrundstück, Lärmbelästigung und manchmal Streitigkeiten, die über Generationen weitergegeben werden, sind dann Themen in unseren Schlichtungsversuchen. Was irgendwann mal der Auslöser einer Streitigkeit gewesen ist, wissen viele gar nicht mehr. Aber manchmal reichen die im Herbst herabfallenden Blätter aus, um das Fass zum Überlaufen zu bringen.

 

Ich hoffe dieser Bericht über Sie, Frau Schelter, erleichtert es den Bürgerinnen und Bürgern in Schwerte bei Konflikten oder drohenden Rechtsstreitigkeiten Sie oder einen Schiedskollegen zu rufen und sich außergerichtlich zu einigen.

Ohne damit die Lobby der Schwerter Anwälte anzugreifen.

 

Das hoffe ich auch. Konflikte lassen sich nur durch Kommunikation lösen und da gilt: je früher, desto besser und leichter.

 

Frau Schelter, was machen Sie privat in Ihrer Freizeit? Sie sprachen davon, dass Ihre Tochter bereits groß sei, so haben Sie sicher jetzt mehr Zeit für eigene Hobbys?

 

In meiner Freizeit ist es oft laut und schnell und technisch.

Mein Freund fährt Motorrad und ich interessiere mich für die Technik an den Motorrädern. Wir haben in Holzwickede eine Garage, wo wir an den Motorrädern schrauben, so entstand aus den damals bestehenden „starken Schwertern“  heute das Schelter-Racing-Team.

Motorräder faszinieren mich, wir sind in unsere Freizeit bei Rennen und ich sponsere und unterstütze unser Team. 

 

Das ist nicht so das klassische Frauenhobby und darauf wäre ich nicht gekommen, wenn ich hätte raten sollen, womit Sie sich in Ihrer Freizeit beschäftigen. Wobei Sie ja bereits erwähnten, dass „Schubladen“ Ihnen nicht gut gefallen. Das haben Sie mit dem Hobby erneut unterstrichen.

Frau Schelter gerade ist die „Schwerter Ruhrfee“ vorbei geflogen und hat Ihnen drei Wünsche hinterlassen. Was würden sie sich mit diesen Wünschen erfüllen?

 

  1. Ich wünsche mir, dass Alleinerziehende mehr Anerkennung erfahren.
  2. Ich wünsche mir, dass meine Tochter wieder mit mir spricht.
  3. Und ich wünsche mir, dass in Schwerte mehr Eigeninitiative gezeigt wird und nicht so viel geschimpft wird.

 

Auf Ihrer Website bezeichnen Sie sich als Lokalpatriotin. Steht Ihr letzter Wunsch damit in Zusammenhang?

 

Das kann man sagen. Ich mag Schwerte und ich finde, hier gibt es ganz viele Menschen, die auch über die Stadtgrenzen hinaus für ihr ehrenamtliches Engagement gelobt werden und bekannt sind. Das kann uns stolz machen. Um so schwieriger finde ich, wenn einige wenige Bürgerinnen und Bürger, ohne selbst aktiv zu werden, sich mit "rummeckern" aufhalten und damit den Anderen oder dem Ruf schaden. Sie können ja ruhig kritisieren, aber dann auch aktiv werden.

  

Das war ein spannendes und interessantes Gespräch. Ich danke Ihnen sehr für Ihre offenen und mutigen Worte. Für Ihre private und berufliche Zukunft weiterhin viel Kraft und Ausdauer bei dem, was Sie sich vornehmen.

Schön, dass Sie in Schwerte wohnen.

 

Wer sich über die Tätigkeit von Frau Schelter  informieren möchte, kann das hier tun: www.schelter.eu