Gespräch mit Nora Isabel Schöpe

Tanz, Theater & Gesang

Liebe Nora, schön, dass wir uns jetzt persönlich kennen lernen, vielen Dank, dass du dir für Schwerte-spricht Zeit nimmst. Da du seit Ende 2016 in Oberursel die Academy of Stage Arts besuchst und dort eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin begonnen hast, ist das mit deiner freien Zeit nicht so einfach.

Schwerterinnen und Schwerter kennen dich aus Stücken des Theater am Fluss, zum Beispiel "Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street", aufgeführt in 2015 oder noch aktuell aus "Die kleine Mundharmonika" von Chris Kramer, wo du den goldigen „Muskelkater“ gespielt hast. Wie hast du entdeckt, dass Schauspiel, Tanz und Gesang deine Leidenschaften sind?

 

 

Mit dem Tanzen habe ich bereits im Alter von fünf Jahren begonnen. Im Unterricht der Ballettschule Ivancic in der VHS-Schwerte. Später in der Kommunionsvorbereitung in der Marienkirche Schwerte haben wir Kirchenmusicals, biblische Geschichten, wie zum Beispiel "Das lebendige Buch" einstudiert und aufgeführt. Das hat mir große Freude gemacht. Die Produktionen waren schon sehr aufwendig und groß, mit Mauern die wirklich einstürzten und mehreren Bühnen in der Kirche, auf denen gespielt wurde.

In den Musicals steckte viel Herzblut und wir Jugendlichen konnten uns da engagieren, wo es uns am meisten hinzog. Entweder Tanz oder Bühnenbild oder zum Beispiel in die Produktion der Kostüme.

Die gemeinsame Zeit hat mich sehr erfüllt, ich konnte erste Erfahrungen sammeln und meine Leidenschaft entdecken. Dies bewog mich danach im Ensemble von Theater am Fluss zu spielen.

 

Mit ungefähr 17 Jahren war ich sicher, dass ich Musicaldarstellerin werden möchte, denn im Musical kann ich Tanz, Gesang und Darstellen verbinden. Das kommt meinem Bedürfnis nach Vielseitigkeit am meisten entgegen. 

Ich bin immer erstaunt, wenn Menschen schon so früh wissen, was sie einmal beruflich machen möchten und ihr Ziel schon klar vor Augen sehen. Mir war das lange nicht klar und ich habe in der Oberstufe und als Schulabgängerin lange gerätselt, was ich tun könnte.

Wie wird man denn Schülerin einer Musicaldarstellerschule?

 

An Schulen für die Ausbildung zum Musicaldarsteller aufgenommen zu werden ist nicht so leicht, bei mir hat es nach dem Abitur zunächst einige Zeit gedauert. Um nicht untätig zu bleiben, habe ich zwischenzeitlich begonnen Theaterwissenschaften und Komparatistik zu studieren. Aber dann kam meine Chance in Oberursel. Eigentlich war der Termin für die Eignungsprüfung schon voll, aber mein persönliches Motivationsschreiben hat den Verantwortlichen an der Schule scheinbar so gut gefallen, dass ich eine kurzfristige Einladung für eine Vorstellung bekam.

Ich musste mich dann in vier Stunden Tanz, Schauspiel, Choreographie und Singen vorstellen.

Ich habe eine Ballade gesungen und ein weiteres Stück mit Stepptanz präsentiert. Stepp ist eine Tanzart, die nicht vorausgesetzt wird und eigentlich erst in der Academy Unterrichtsfach wird. Ich habe aber vorher schon Steppunterricht gehabt und dachte mir, warum das nicht einbringen?  

Zusätzlich musste ich einen Monolog vorbereiten und vortragen und es wurde geprüft, wie schnell ich auf Anweisungen reagiere und improvisieren kann. Als Abschluss gab es noch einen Test zur Theatergeschichte. Ich war froh, dass ich im Anschluss direkt die Zusage erhielt und auf diese Nachricht nicht warten musste. Das war eine große Erleichterung.

Da bist du intensiv auf Herz und Nieren, beziehungsweise in den unterschiedlichen Kategorien Tanz, Gesang und Darstellung geprüft worden. Um so schöner, dass die Mühe sich für dich gelohnt hat und du deine Ausbildung an der Schule machen darfst.

Ich frage mich wie du dir ganze Monologe, lange Texte und auch Choreographien einprägst. Für mich war das auswendig lernen von Gedichten in der Schule zur Weihnachtszeit schon eine enorme Herausforderung. Gibt es da Tricks, wie es einfacher geht?

 

Damit hatte ich nie Schwierigkeiten, im Gegenteil, Text zu lernen fällt mir sehr leicht. Es gibt natürlich Unterschiede. Monologe sind für mich schwieriger zu lernen, als Dialoge. Im Dialog habe ich Hangelsteine durch den Text meines Dialogpartners. Ich kann mir Anker seiner Mimik und Gestik setzen. Allein durch die Person und seine Ausstrahlung erinnere ich mich leichter an den Text, wenn ich einmal einen Hänger hätte. Bei Monologen bin ich nur auf mich gestellt.

Dennoch lerne ich in Teilstücken und wiederhole einzelne Passagen so lange, bis es sitzt und verknüpfe dann nach und nach einzelne Abschnitte. Das funktioniert gut.

Bei Choreographien merke ich mir Bilder und verknüpfe auch da einzelne Schritte zu ganzen Abläufen. Die Musik unterstützt den Lernprozess. Ich merke mir, was an welcher Stelle der Musik kommt und habe somit quasi wieder einen Partner.

 

Gibt es beim Theaterspielen eigentlich auch Rollen, die du nicht spielen magst oder die du einfach richtig blöd findest?

 

Grundsätzlich mag ich schon die Herausforderung alles zu spielen und mich in den Zustand der Vorurteilslosigkeit zu begeben. Rollen darstellen bedeutet seine persönliche Identität zur Seite zu packen. Wenn ich zum Beispiel eine Mörderin spielen sollte, dann ist mir das ja besonders fremd. Ich würde es vermutlich als abwegig und absurd empfinden, dennoch bin ich dann nicht Nora, sondern stelle die Mörderin dar.

 

Ich erinnere das Stück "Drei Männer im Schnee" von Erich Kästner, da habe ich eine junge Frau gespielt. Es ist mir nicht leicht gefallen, da das Frauenbild in jener Zeit nicht zur mir passte und ich es mir nur schwer vorstellen konnte. Mein Verständnis von Frau sein ist ein gänzlich anderes, als ich es darstellen sollte. Deswegen fand ich die Rolle nicht blöd, sondern es war eine besondere Herausforderung an meine Darstellung.

Was denkst Du welche Rollen besonders gut zu dir passen? Weiß man das als junge Schauspielerin? Erkennt man das am Wohlgefühl während des Spielens?

 

 

Das kann ich noch nicht wirklich beantworten. Dazu stecke ich auch in Zusammenarbeit mit der  Academy of Stage Art in einem Findungsprozess. Gemeinsam arbeiten wir heraus, welche Charaktere zu mir passen und zum Glück darf ich mich an der Schule intensiv ausprobieren.

Meine Körpergröße, meine Ausstrahlung, die Stimmlage, die Stimmfärbung und weitere Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Dinge, die ich in meiner Arbeit zuvor auch schon immer reflektiert habe, werden jetzt von den Ausbildern mit beleuchtet. Es ist sehr hilfreich, wenn jemand auf meinen Tanz schaut und bemerkt, dass ich viel nachdenke, vielleicht noch verkopft bin. Meine gute Ballettschule, die Disziplin in meiner Arbeit und die Disziplin auch Anweisungen umzusetzen helfen mir sehr.

 

 

Ich spüre deine Disziplin und den unbedingten Willen Tanz, Gesang und Darstellen zu deinem Beruf zu machen in diesem Gespräch, obwohl wir uns gerade erst kennen lernen. Respekt, dass du deinen Traum nicht aufgegeben hast, nachdem du auf eine Zusage für eine Musical Schule zunächst warten musstest. Für deine Ausbildungszeit wünsche ich dir viel Kraft und Freude, für das Pendeln zwischen Oberursel und Schwerte genügend Ausdauer und auch wenn es ein wenig weit im voraus ist, wünsche ich dir, das sich dein Traum vom Musical darstellen erfüllt. Danke für das freundliche und interessante Gespräch über ein Thema, dass für mich Neuland ist.