Gespräch mit Gela Abriß

Mit "Hundeherz"...

Liebe Frau Abriß, zu unserem "Blind Date" haben wir kein Erkennungszeichen verabredet und doch habe ich sie an ihren zwei Yorkshire-Begleitern schnell erkannt. Sie haben mir vorab geschrieben, dass sie ehrenamtliche Helferin beim Yorkshire-Hilfe e.V. sind. Bitte erzählen sie, wie sie dazu gekommen sind?

Ich bin vor 10 Jahren aus Goslar nach Schwerte gekommen, um meiner Familie in Dormagen etwas näher zu sein. Nach einer langen Krankheit habe ich diesen Umzug und den Schritt in ein neues Leben gewagt. Erfreulicherweise konnte ich meine Arbeit wieder aufnehmen und habe eine Fußpflegepraxis in Schwerte eröffnet. Ungefähr zu dieser Zeit ist mein erster Hund Emil, ein Yorkshire, den ich schon recht alt aus dem Tierheim zu mir geholt habe, verstorben. Das hat mich unglaublich mitgenommen und sehr traurig gemacht.  

Zunächst dachte ich, meinen Emil 1 nicht ersetzen zu wollen und zu können. Als ich die Yorkshire-Hilfe entdeckte, habe ich doch immer wieder auf die Bilder und die zu vermittelnden Hunde geschaut. Letztlich habe ich ich mich in Emil 2 verguckt und habe ihn aus einer Tötungsstation in der Nähe von Malaga in Spanien zu mir geholt.

So sind sie mit dem Verein in Kontakt gekommen und schließlich auch Vermittlerin dieser Hunde geworden. Wie kann ich mir den Vermittlungsprozess vorstellen, wenn ich einen Hund aus Spanien aufnehmen möchte?

Viele Interessenten sehen die Hunde auf der Webseite und nehmen dann Kontakt mit mir auf. Danach führe ich ein erstes persönliches Gespräch und kläre die Interessenten über das weitere Procedere auf. Ich berichte davon, wie die Hunde nach Deutschland kommen und wo sie herkommen. Das sie entweder in den spanischen Tötungsstationen abgegeben oder ausgesetzt wurden und meine Kolleginnen in Spanien die Tiere aus den Stationen retten oder auf offener Straße einsammeln und in Obhut nehmen.

Menschen sind zum Teil sonderbare Wesen, dass muss ich an dieser Stelle einmal sagen. Tiere werden angeschafft und wie ein Gegenstand auf den Müll gebracht, wenn sie lästig werden oder einfach nicht mehr gebraucht werden. Erstaunlich, dass ein Staat das mit Tötungsstationen unterstützt. Mir wäre ein präventiver, bzw. verantwortungsvoller Umgang mit allen Lebewesen lieber. Das Thema Tierschutz erklärt sich mir in dieser Welt nicht ausreichend. Ich habe sie unterbrochen. Entschuldigung.    

Ich verstehe, was sie meinen und empfinde es ähnlich, deswegen ist unsere Arbeit so wichtig.

Wir machen uns anhand eines Fragebogens einen ersten Eindruck über die Wohnsituation der Familien und Menschen, bei denen ein Hund unterkommen soll. Wir fragen nach einem Garten und Möglichkeiten zum Auslauf, nach der Berufstätigkeit, dem Alter der Personen, ob es Kinder gibt und vieles mehr. 

Nach der Auswertung dieses Fragebogens vereinbare ich einen Termin, um mich persönlich von der Familie und ihren Angaben zu informieren und zu prüfen, wohin der Hund kommen soll. Im Vordergrund steht immer die Gesundheit und die Sicherung des Hundes. 

Wenn alles geklärt ist, kommt der ausgewählte Hund auf die Flugplanliste und wir warten, dass sich passende Flugpaten für die Überführung nach Deutschland gefunden haben. Das ist nicht weiter problematisch, denn es gibt viele Menschen, die helfen möchten und diesen Dienst übernehmen.

Meine Aufgabe ist es, den Hund am Flughafen in Empfang zu nehmen und ihn an sein neues Frauchen oder Herrchen zu übergeben. 

Wie hoch sind die Kosten für die Überführung, die Vermittlung und für den Hund?

Der Verein erhebt für die Vermittlung von geimpften, gechippten und kastrierten Hunden inklusive der Flugkosten eine Schutzgebühr von 380 EUR. Wir Mitarbeiterinnen arbeiten alle ehrenamtlich.

Frau Abriss, ich selbst habe keinen Hund, bin aber viel draußen und habe das Gefühl, dass in Schwerte viele Hunde "wohnen". Ist nach ihrem Empfinden Schwerte eine "hundefreundliche" Stadt? Und welche Faktoren spielen für die Bezeichnung "hundefreundlich" eine Rolle?

Aus meiner Sicht ist Schwerte nicht besonders hundefreundlich. Hier gibt es zum Beispiel keine eingezäunte Hundewiese, wo Hunde spielen und laufen können, ohne das der Besitzer Angst haben muss, dass der Hund weg läuft.

In Kamen und in Dortmund gibt es solche Wiesen. Ich hatte dazu schon mal ein Gespräch mit unserem Bürgermeister. Er hat erklärt, dass Schwerte dafür keine Gelder zur Verfügung stellen kann.

Man könnte annehmen, dass die zu zahlende Hundesteuer dafür verwendet würde?

Die Hundesteuer ist leider nicht zweckgebunden und kommt in einen allgemeinen Topf, was ich sehr bedauerlich finde. Ebenso, das Besitzer mit zwei Hunden bestraft werden, denn ein Hund kostet 90 EUR Hundesteuer und der zweite Hund schon 120 EUR. 

Viele Besitzer würden sich über eine Möglichkeit zur Quartalszahlung der Hundesteuer freuen, aber auch das ist in Schwerte nicht möglich.

Für das Empfinden, dass eine Stadt hundefreundlich ist, dürfen aber gerne auch die Hundebesitzer selbst beitragen. Mich persönlich würde sehr freuen, wenn alle Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge entsorgen würden. Es ist ekelhaft und furchtbar unangenehm, wie stark unsere Strassen und Gehwege durch Hundehaufen verschmutzt sind. Es gibt Beutelspender in der Stadt und sicher ist jeder in der Lage selber Beutel zu erwerben und bei sich zu führen, um diese dann auch immer in Einsatz zu bringen. 

Da bin ich ganz bei ihnen Frau Abriss. Sicher könnte ein "hundehaufenfreies" Stadtbild zur Freundlichkeit beitragen und auch Gemüter beruhigen. Wenn ich daran denke, dass Hundebesitzer vor abartigen Vergiftungs- und Verletzungsattacken in ausgelegten Ködern Angst haben müssen, könnte Rücksichtnahme ein Mittel zum entspannten Miteinander sein.

Richtig! Je rücksichtsvoller Hundebesitzer mit Menschen ohne Hunde umgehen, desto verträglicher und sicherer könnten wir nebeneinander leben. 

Ein ähnlicher Aspekt ist die Leinen Pflicht, die leider längst nicht von jedem eingehalten wird. Als Hundebesitzerin möchte ich sagen, dass viele, vor allem kleine Hunde Angst haben vor freilaufenden Hunden.

Ich darf ergänzen, dass für mich, für kleinere Kinder und für viele andere Menschen ein freilaufender Hund eine Herausforderung darstellt. Wer den Umgang mit Hunden nicht kennt, die Verhaltensweisen und Regeln nie gelernt hat, kann definitiv Unterstützung seitens der Hundebesitzer gebrauchen, oder?

Unbedingt und ich empfinde es als nicht ausreichend, wenn gerufen wird:

"Der tut nichts!"

Oft werde ich beim Gassi gehen von Kindern gefragt, ob sie meine Hunde mal streicheln dürfen. Ich verneine das zunächst und komme mit den Kindern ins Gespräch. Ich erkläre, wie sie sich den Hunden nähern können, damit beide Seiten sich nicht erschrecken und erstmal kennen lernen können. Darüber freuen sich übrigens und verständlicherweise die Mütter sehr. 

Haben sie es gespürt Frau Abriß? Gerade war die Ruhrfee an unserem Tisch und bedankt sich für ihren Einsatz und das Gespräch mit drei freien Wünschen. Haben sie Wünsche?

Ich wünsche mir in Schwerte eine Tier-Tafel, damit Besitzer von Haustieren mit kleinem Budget unterstützt werden können.

Dann wünsche ich mir, dass Schwerte sich noch mehr für den Tierschutz einsetzt.

Drittens ist mein großer Traum, später nach Spanien zu gehen und meine Kollegen im Verein Yorkshire - Hilfe e.V. vor Ort zu unterstützen. 

Liebe Frau Abriß, ich danke ihnen, dass sie sich gemeldet haben und über ihre Arbeit gesprochen haben. Ich finde wunderbar, dass sich Menschen mit "Hundeherz", wie sie, für die Tiere einsetzen und uns davon berichten. Ich wünsche ihnen weiterhin viele erfolgreiche Vermittlungen der Hunde in liebevolle Familien hier in Deutschland.