Gespräch mit der Filzfrieda

Lieblingsfarbe? Ein sattes fröhlich-bunt!

Es fällt mir ein wenig schwer dich mit deinem korrekten Namen Katrin anzusprechen, da du in meiner Wahrnehmung hier in Schwerte eben die filzfrieda bist und nicht Katrin Schulz. Daran kannst du erkennen, wie gut dein Marketing funktioniert. Aber es lässt sich auch nicht verheimlichen, dass du da gewisse Vorteile genießt, denn du bist ja quasi vom Fach, richtig?

 

Wenn man den gestalterischen Part damit meint, dann ist das korrekt, denn ich bin gelernte Grafikdesignerin, gestaltungstechnische Assistentin und habe Objektdesign studiert. 

Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit einer Freundin mein Logo filzfrieda entworfen habe und wie wir nach dem Namen geforscht haben. Da waren so Ideen wie filzfutzi, filzfrauke und sonstige Absonderlichkeiten dabei. Bei der filzfrieda mussten wir beide laut lachen, weil in unseren Köpfen so ein altes verschrobenes Mütterchen beim Filzen auftauchte.

Aber die ist es dann geworden und das ist mittlerweile fast zwölf Jahre her. Wie kam es überhaupt zu der Idee Eine Filzwerkstatt aufzubauen?

Das ist auch wieder ziemlich lustig, denn in meinem ersten Leben, als Grafikdesignerin sah ich noch ganz anders aus. Ich habe mich täglich verkleidet als "busy Geschäftsfrau" im Damen Hosenanzug und ich war immer gestresst und selten entspannt. Damals wurde mir immer deutlicher, dass es mich nicht erfüllt, den ganzen Tag am Rechner zu sitzen und unter Termindruck zu stehen. Mehr und mehr hat es mich genervt, dass meine Kunden mir immer in meine Entwürfe und in meine Designs hineingeredet haben, wenn ich Logos, Printwerbung und Corporate Design erstellt habe.

Mir wurde klar, dass ich meine berufliche Zukunft genau überdenken musste, um zufriedener zu sein. Dazu habe ich ein Coaching in Anspruch genommen.

Das finde ich aus mehreren Gründen spannend. Erstens kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass du in einen adretten, grauen oder schwarzen Hosenanzug springst, weil dir in meiner Wahrnehmung am besten die Farbe "fröhlich-bunt" steht und zweitens interessiert mich, wie du das Coaching erlebt hast?

Mein Leben ist wirklich fröhlich und bunt. Grau und Geschäftsfrau steht mir nicht und hat mich frustriert. 

Das Coaching war spannend und ich habe mich mit Fragen beschäftigt, die ich mir vorher selten gestellt habe. Fragen, die nicht spontan zu beantworten sind, aber am Ende nach reiflicher Überlegung, sehr richtungsweisend waren. Wenn ich allein daran denke, dass ich mich lange damit auseinandergesetzt habe, was ich mir für mich und meine Zukunft wünsche und mir vorstellen kann, dann siehst du jetzt hier mit der filzfrieda das Ergebnis.

 

Toll, das sind auch meine Erfahrungen mit Frauen in der Coaching Arbeit und ich freue mich jedes Mal, wenn ich im Nachgang miterlebe, was sich aus einem Coaching zur beruflichen Orientierung entwickelt.

Das war dann schon ein enormer Schritt von der Grafikdesignerin in Festanstellung zur selbstständigen filzfrieda mit Kursangebot und Verkauf von gefilzten Laune-Objekten?

Da gab es viele kleine Zwischenschritte und ich hatte sehr viel Glück bei dem, was ich so auf die Beine gestellt habe.

Als bei mir die Entscheidung viel, eine Kreativwerkstatt aufzubauen, damals hieß mein Geschäft noch Eigenart-Kreativwerkstatt, hatte ich das große Glück einen günstigen Raum in der Agentur meines Partners im Bahnhof Schwerte-Ergste zu mieten. 

Dort habe ich abends mit Malkursen und Bastelabenden begonnen. Tagsüber habe ich mein Geld bei Hammer Heimtextilien an der Kasse verdient. Der Marktleiter war damals so lieb und hat mich montags immer eine Stunde eher gehen lassen, damit ich meine Kurse pünktlich beginnen konnte. Glück gehabt! Der mochte mich irgendwie. 

Eine Portion Glück gehört unbedingt dazu. Wieso hast Du den Namen von Eigenart-Kreativwerkstatt auf filzfrieda geändert?

 

Der Name Eigenart wurde kopiert und außerdem kam die Filzerei in mein Portfolio und nahm dort die Hauptrolle ein. Das wollte ich in mein Logo integrieren und es mir gleichzeitig schützen lassen.

 

Gab es da einen besonderen Moment oder wie bist du zu der Zeit, also vor mehr als zehn Jahren zum Filzen gekommen?

 

Es war schon ein besonderer Moment als ich auf einem Mittelalter Markt an einem Stand vorbeikam, wo mein Blick an einer bunten Reihe von gefilzten Bändern kleben blieb. Dort konnte man zuschauen, wie gefilzt wird. Das Handwerk hat mich sehr begeistert. Tja und über das erste Ausprobieren mit Wolle, Wasser und Pril zuhause, was zum Ergebnis hatte, dass daraus nichts... rein gar nichts geworden ist. Bis ich eine tolles Buch mit  vielen, vielen guten Anleitungen entdeckt habe und damit das Filzen gelernt, für mich optimiert habe und dann meine eigenen Designs umsetzten konnte.

 

Liebe Katrin, was erwartet die Menschen hier in deinen Kursen?

 

Es kommen ganz unterschiedliche Leute. Oft habe ich Kinder hier, die ihren Geburtstag feiern und dabei ein süßes Tier filzen, was sie danach direkt mit nach Hause nehmen können. Freundinnengruppen, die zusammen hier einen schönen Abend verbringen und vielleicht auch mal ein Glas Sekt dabei trinken. Erzieherinnen, die die Technik erlernen und vertiefen möchten und so weiter. Grundsätzlich lassen sich in meinen Kursen persönliche Sorgen für eine gewisse Zeit leicht abschalten, denn man ist in angenehmer Gesellschaft, in gemütlicher Atmosphäre und man beschäftigt seine Hände und seinen Geist mit etwas ganz Neuem. Dabei wird die Konzentration auf das Handwerk gelenkt. Das hat eine sehr entspannende Wirkung. Oft kann ich die Wirkung direkt am entspannten Lächeln in den Gesichtern der Kursteilnehmer erkennen.

 

Ich kann gerade erkennen, dass die Schwerter Ruhrfee drei Wünsche für dich auf deinen Filztisch gelegt hat. Leg los, du darfst dir etwas wünschen!

 

Prima, dann wünsche ich mir zuerst, dass ich irgendwann als Waldpädagogin Kurse für Menschen in der Natur geben kann.

Zweitens wünsche ich mir, dass weiterhin so viele interessierte Menschen bei mir das Filzen kennen lernen möchten und drittens wünsche ich mir, das wir beide vielleicht einmal gemeinsam die Ruhrfee filzen?!

 

 

Das ist eine super Idee, da mache ich gerne mit. Dann präsentieren wir die Ruhrfee demnächst gefilzt. 

Herzlichen Dank für das bunte und fröhliche Gespräch und ich freue mich, dass du so zufrieden und erfolgreich den Job machst, der dir am Herzen liegt.