Gespräch mit Elif Yilderim

Immer wieder Montags

Liebe Elif, wir kennen uns aus dem Waldorf Kindergarten Schwerte und ich freue mich, dass du dir Zeit für Schwerte-spricht nimmst. Vielen Dank!

Zeit ist bei dir sicher immer knapp bemessen, wenn man berücksichtigt, dass du zweifache Mutter bist und vier Friseursalons in Schwerte führst.

 

Ja das stimmt, Zeit ist eigentlich immer zu wenig. Aber weißt du, ich bin in die Verantwortung und in die Belastung hineingewachsen und dann lernt man Zeitmanagement automatisch. Außerdem haben mein Mann Munna und ich ein deutliches Leitbild für unser gemeinsames Leben und das heißt, Kinder und Familie stehen an erster Stelle. Danach arbeiten wir und das funktioniert sehr gut.

Wir sind beide selbstständig und arbeiten Hand in Hand. Jeder weiß genau, wann er welches Kind von der Schule abholen muss, zum Sport, zum Musikunterricht oder zu einer Freundin fahren muss. Das teilen wir uns. Außerdem helfen uns meine Eltern, die auch in Schwerte wohnen. Es ist auch schon vorgekommen, dass wenn ein Kind krank aus der Schule abgeholt werden muss und wir beide beschäftigt sind und nicht weg können, eine Mitarbeiterin losfährt, um das Kind zu holen.

Das klappt aber nur, weil wir in meinen Friseursalons eine sehr familiäre Bindung pflegen. Unsere Kinder kennen unsere Mitarbeiter gut und in Ausnahmefällen macht es meinen  Mitarbeiterinnen nichts aus während der Arbeitszeit ein krankes Kind abzuholen. 

 

Ist diese familiäre Bindung ein Faktor für gut funktionierende Führung?

 

Das kann ich nur für mein Unternehmen beantworten. Führung bedeutet natürlich sehr viel mehr als familiäre Bindung. Ich beziehe meine Mitarbeiterinnen in Prozesse mit ein, wir sprechen miteinander und tauschen uns regelmäßig aus. Ich selbst balanciere zwischen Freiräumen und Kontrolle und habe zum Beispiel für jedes Geschäft eine Saloonleiterin, die für ihren Laden verantwortlich ist und sich mit mir abstimmt. Nach nun fast zwanzig Jahren habe ich eine sehr gute Menschenkenntnis und weiß sehr genau, wer in unser Team passt und wer nicht. Da bin ich auch oft Vermittlerin und versuche neuen Kolleginnen einen Weg in unser Team zu ermöglichen, ihnen eine Chance zu geben sich zu integrieren.

Ich habe viele Mitarbeiterinnen, die schon sehr lange für mich arbeiten und wir sind über die Jahre gut zusammengewachsen. Da ist es nicht immer leicht sich auf neue Kolleginnen einzustellen. Dafür habe ich Verständnis und meistens finden wir dafür einen guten Weg.

 

Fast zwanzig Jahre, das ist eine lange Zeit, mit viel wertvoller Erfahrung. Wenn ich mit der Absicht einen Friseursalon zu eröffnen zu dir käme, was würdest du mir vorab dazu sagen oder raten?

 

Tja, vermutlich würde ich dir meine eigene Geschichte erzählen. Wenn du sie nach ein paar Infos vorab überhaupt noch hören wolltest?! Es ist wohl wichtig zu wissen, wie anstrengend einerseits und wie schön andererseits dieser Beruf ist. Wir arbeiten hier ca. 9,5-10 Stunden stehend. Wir arbeiten an Samstagen und müssen unseren Kunden zu jederzeit höflich, fröhlich und am liebsten gut gelaunt begegnen. Allein das ist oft anstrengend, denn man empfindet nicht immer Leichtigkeit und gute Laune, aber der Kunde erwartet das ein Stück weit.

Als Friseurin muss man mit der Zeit gehen, modern bleiben neue Techniken lernen, Produkte kennen und sich weiterbilden. Auch das erwartet der Kunde und ist Standart im Friseurgeschäft. Diese Schulungen und Weiterbildungen sind zusätzliche Zeit, die man investiert. Willst du meine Geschichte noch hören oder bist du schon abgeschreckt?

 

Unbedingt möchte ich sie noch hören, denn mein Respekt vor der Tätigkeit wächst immer weiter.

 

Ich habe den Beruf in Dortmund gelernt und habe dann in Schwerte in einem Salon gearbeitet. Mit Leib und Seele war und bin ich Friseurin. Mich hat nur das Handwerk und meine Arbeit interessiert. Viele meiner Stammkundinnen sagten schon zur damaligen Zeit, dass ich mich unbedingt mit einem eignen Salon selbstständig machen soll. Ich arbeitete aber gerne in dem Betrieb und habe mich in einer super Arbeitsatmosphäre rundum wohl gefühlt. Meine Eltern und mein Chef haben mich mehr oder weniger zur Meisterschule, die ich in zwei Jahren Abendschule besucht habe geschubst. Mit dem Abschluss in der Tasche genoss ich noch mehr Vertrauen meines damaligen Chefs und ich habe ihn in seiner Abwesenheit vertreten dürfen, mehrere Filialen betreut und die Einnahmen verwaltet.

Irgendwann hatte ich den Gedankenblitz, dass die Selbstständigkeit doch etwas für mich sein könnte.

Die Trennung von meiner Arbeitsstelle viel mir sehr schwer und da sind dicke Abschiedstränen geflossen, daran erinnere ich mich gut. Mir selbst habe ich genau ein Jahr gegeben. Hätte es in einem Jahr nicht funktioniert, hätte ich meine Selbstständigkeit an den Nagel gehängt. Tja, was soll ich sagen? Nächstes Jahr feiern wir mein zwanzigjähriges Jubiläum.

Die ersten fünf Jahre waren hart. Arbeit von früh bis spät, kein einziger Urlaub, keine Putzfrau und ich habe das Meiste selbst gemacht. Meine Mutter hat mir damals viel zuhause geholfen, sonst hätte ich das nicht geschafft. 

   

 

Wow Elif, das hört sich nach ganz viel Ehrgeiz und Willen an.

 

Wie gesagt, ich bin Friseurin mit Leib und Seele, ich liebe meine Arbeit und das, was sich daraus entwickelt hat. Ehrgeiz und Wille sind natürlich meine Begleiter, denn wer nicht fleißig selbst arbeitet und seine Kunden pflegt, der braucht erst gar nicht anzufangen. Mein großer Vorteil ist meine Familie. Ich habe drei Geschwister und alle drei habe ich zu Friseuren ausgebildet. Ein Bruder hat in Holzwickede seinen eigenen Salon und arbeitet dort erfolgreich.

Mein Mann unterstützt das was ich hier tue und meine Kinder sind gerne hier. Mein Sohn Noah genießt es auch mal sich Wickler eindrehen zu lassen und sich eine Lockenmähne zu machen. Mein Gott haben wir hier schon gelacht. Na ja und Eshan weißt du ja, sie liebt es hübsche Frisuren zu tragen.

 

Das kann ich mir gut vorstellen, dass ihr da Spaß habt. Sag mir noch, wie sind deine anderen Kopfsalat Filialen in dein Leben gekommen, wieso wurden das immer mehr?

 

Der zweite Kopfsalat Salon war ein Geschäft, das mein Ex-Chef betrieben hat und leider  irgendwann insolvent ging. Als ich das mitbekam, tat mir das im Herzen weh und ich wollte, dass der Laden weitergeführt wird. Das hat dann auch geklappt. Ich habe montags bei der Vermieterin angerufen und am gleichen Abend unterschrieben.

Dann sind wir mit dem Geschäft später in den Rewe-Markt an der Margot-Röttger-Rath-Str. gezogen, auch das wurde an einem Montag entschieden. Montags habe ich eigentlich und ich betone eigentlich, immer frei. Elif lacht…. Frei hat man grundsätzlich nicht, denn als Selbstständige hast du immer was zu tun.

Ja dann kam das Geschäft in Westhofen und zuletzt sind wir mit einer Filiale in das Haus am Park gezogen, um den Bewohnern kurze Wege zum Friseur zu ermöglichen.

 

Elif, ihr seid eine bunte Familie. Du bist in der Türkei geboren und dort macht ihr auch gerne Urlaub. Dein Mann kommt aus Indien und ihr lebt in Deutschland. Eine tolle Vielfalt, die euch bereichert. Warst du mit deiner Familie schon mal in Indien?

 

Ja, mein Mann hat auch noch Geschwister dort und wir haben einmal eine tolle Tour durch Indien gemacht. So viele Sehenswürdigkeiten bestaunt, das bunte und gegensätzliche Leben auf uns wirken lassen und würden jederzeit wieder dorthin reisen.

Wenn der Flug nicht so lang und die Kosten für die ganze Familie nicht so hoch wären, sicher häufiger. Unsere Kinder lieben beide Länder. Türkei und Indien und natürlich ihr Zuhause in Deutschland.

Liebe Elif, ich danke dir für das emotionale und quirlige Gespräch hier in deinem Kopfsalat Salon. Es hat große Freude gemacht den Geschichten aus deinem Leben zu lauschen und ich bin beeindruckt, wie du alles unter einen Hut bekommst. Du wirkst lebenslustig, sehr herzlich und voll Power auf mich. Ich wünsche dir und deiner Familie weiterhin so viel Kraft.