Gespräch mit Wibke Skoeries

Landwirtin oder Bürokkauffrau? Beides. Vor allem aber Tierrechtlerin!

Foto Bernd Paulitschke

Hallo Wibke! Ich freue mich, dass du heute Zeit hast und wir miteinander sprechen können. Unser erster Termin musste kurzfristig verschoben werden, weil du mit einer erkrankten Taube von deinem Lebenshof für Tiere zur Tierärztin musstest. Ich hoffe der Taube geht es gut und deine Tiere können dich heute für kurze Zeit entbehren?

Ja, das war kurz vor dem Wochenende und ich wollte auf Nummer sicher gehen und das Tier der Ärztin vorstellen. Bis Montag war mir das zu unsicher. Heute ist alles gut, die Tiere sind versorgt und gefüttert und zur Not ist mein Vater auf dem Hof. Manchmal kommt so etwas spontan zwischen meine Pläne.

 

Na klar - da sind wir doch ganz flexibel! Was mich brennend interessiert ist, wie du zuerst Landwirtin wurdest und danach Bürokauffrau? Ich finde das ist eine spannende Kombination. Kannst bitte du davon erzählen? 

 

Für mich war immer klar, ich möchte etwas in der Natur, beziehungsweise mit Tieren machen. Am liebsten wäre ich Tierärztin geworden, doch dafür hätte ich wohl in der Schule fleißiger sein sollen. Schule war nicht so mein Ding. Mit 16 Jahren bin ich mit meiner Mutter durch das Sauerland gefahren, um mir einen Hof für die Ausbildung zur Landwirtin zu suchen.

 

Man schreibt also keine Bewerbung, sondern schaut sich direkt vor Ort um und spricht persönlich mit den ausbildenden Betrieben?

 

Ja richtig, wir haben mit den Familien auf den Höfen gesprochen. Es ging immerhin darum, dass ich für mindestens zwei Jahre auf dem Hof mit einer mir fremden Familie lebte und arbeitete. So habe ich dann ein Zimmer auf einem Hof in Brekerfeld erhalten.

 

Wow, mutig! Das ist früh, schon mit 16 Jahren das Haus der Eltern verlassen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das früher schon geschafft hätte. Wie muss ich mir die Ausbildung vorstellen, kannst du dazu etwas berichten?

 

Mir ist das auch wirklich nicht leicht gefallen, aber nun ja... Also, die Ausbildung kannst du dir so vorstellen:

  • Nur jedes zweite Wochenende ab Samstag mittags frei
  • Zweimal pro Woche Berufsschule und nach der Schule im Betrieb weiterarbeiten
  • Früh, direkt nach dem Aufstehen in den Stall die Tiere versorgen und melken
  • Im 1. Lehrjahr 50 Mark(damals), 2. LJ. 100 Mark und 3. LJ 150 Mark Vergütung und Kost und Logis frei

Die ersten beiden Lehrjahre war ich auf einem Milchviehbetrieb und für das dritte Lehrjahr habe ich gewechselt, um nochmal etwas anderes kennen zu lernen. Da bin ich auf dem Bioland Hof Deckert an der Ruhr untergekommen. Leider war die Zeit dann noch anstrengender, als die zwei Jahre davor. Ich musste auch noch vor der Berufsschule arbeiten und bin regelmäßig im Unterricht eingeschlafen. Ich war überarbeitet und sehr erschöpft. Nach drei Monaten habe ich es nicht mehr aushalten können und habe auf einen Hof nach Kierspe mit einer Schweinezucht gewechselt. Damals war ich bereits Vegetarierin, du kannst dir vorstellen, wie es mir auf den Höfen ging. Aber ich habe die Zähne zusammengebissen und habe die Ausbildung dort beendet.

 

Respekt Wibke. Das war sicher nicht leicht. Und du warst noch so jung. Das die Landwirtschaft ein Knochenjob ist, auch heute noch, ist jedem bekannt, aber so habe ich es aus erster Hand noch nie wahrgenommen.

 

Damals habe ich es mir auch nicht so hart vorgestellt. Heute bin ich froh, dass ich es durchgezogen habe, denn ich habe viel gelernt, was ich heute für meinen eigenen Lebenshof für Tiere gut nutzen kann. Damals wollte ich aber nach der Ausbildung zunächst von der Landwirtschaft nichts mehr wissen und habe mich entschieden etwas ganz anderes zu machen. 

 

Und so bist du zu deinem Bürojob gekommen?

 

Ja, ich habe bei einem Stuckateur eine Büroausbildung gemacht. Nochmal drei Jahre. Auch davon kann ich heute für die Verwaltung meines Hofes viel gebrauchen. 

 

Wibke, heute führst du den Lebenshof für Tiere. Wie ist dieser Lebenshof entstanden und wie bewirtschaftest du diesen Hof? Hast du Mitarbeiter? 

Foto die Augen der anderen

 

Also Tiere hatte ich schon immer und ich wollte ihnen einen schönen Platz zum Leben bieten. Einen Platz, den sie bis zum Tod behalten können. Das sprach sich natürlich auch herum und mir wurden immer wieder Tiere gebracht, denen es nicht gut ging oder die ausgesetzt wurden. Ich habe sie dann aufgepäppelt und versorgt und dann dürfen sie bis zu ihrem Lebensende auf meinem Hof bleiben. Irgendwann hatte ich auf meinem Hof so viele Tiere, dass ich mir für die Bewältigung Strategien ausdenken musste.

 

Wie viele Tiere hast du aktuell dort?

 

130 Tauben, drei freilaufende Kaninchen und 16 Kaninchen in einem großen Gehege, eine Hündin und 14 Schafe, fünf Meerschweinchen, fünf Schweine, zehn Katzen, drei Laufenten, drei Warzenenten und elf Hühner.

Meine vier Kinder, mein Vater, mein Lebensgefährte und ich leben mit und neben den Tieren auch noch auf dem Hof ;-)

 

Foto die Augen der anderen

Das hört sich nach mächtig viel Arbeit an. Wie könnte man dich unterstützen liebe Wibke?

 

Ach weißt du, letztlich ist wieder etwas sehr Schönes geschehen. Da hat ein Mann für seine Frau anlässlich ihres Geburtstags eine Patenschaft für ein Schaf meines Hofes übernommen. Das war echt so emotional. Er und ich haben heimlich alles arrangiert und dann ist der Mann mit seiner Liebsten zu mir auf den Hof gekommen und hat sie mit der Tierpatenschaft überrascht. Sie stieg aus dem Auto und ich habe sie umarmt und ihr gratuliert. Sie war so gerührt und hat sich über die Patenschaft echt gefreut. Auf meiner Website kann man sich über Spendenmöglichkeiten und Patenschaften informieren. Bei mir hilft tatsächlich jeder Euro.

 

Wenn jetzt die Ruhrfee zusätzlich noch Wünsche für dich bereithält, dann sag uns doch bitte, was sie dir erfüllen darf?

 

Ich wünsche mir eine vegane Welt.

Ich wünsche mir, dass Taubenzucht verboten wird und die Menschen den Umgang mit diesen tollen Tieren lernen. Es ist ein Irrglaube, dass Tauben Krankheiten übertragen! Tierzucht jeder Art soll bitte verboten werden, denn die nützt ausschließlich den Menschen und nicht den Tieren.

Und ich wünsche mir, dass ich es schaffe den Lebenshof für Tiere weiter aufrecht zu erhalten.

 

Liebe Wibke, vielen Dank für diesen Beitrag und ich wünsche dir für dein Herzensprojekt weiterhin so viel Erfolg und das du noch viele Tiere und Menschen glücklich machst.

http://lebenshof-fuer-tiere.de/